Artikel Hofheimer Zeitung

Ein bunter Vogel, der auf vielen Hochzeiten tanzt

Moritatensänger auf Festen und auf der Bühne, und dann als seriösen Leiter der Caritas Einrichtung Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EEFL)."

Peter Kolar, Hofheimer Zeitung 

Aber genau das ist es, was Gerd Gröhl ausmacht. All seine Tätigkeiten und sozialen Engagements der vergangenen 50 Jahre aufzuzählen, ist schier unmöglich. Er ist, wie man so schön sagt, ein Hansdampf in allen Gassen, und so möchte er auch wahrgenommen werden. Man kann ihn nur schwer beschreiben. Diesen trotz seiner oft deprimierenden Arbeit stets positiv in die Zukunft blickenden Menschen muss man erleben.

Beziehungsarchitekt und Netzwerker mit Herz

Gerd Gröhl, Jahrgang 1955, ist Industriekaufmann, Diplom Sozialpädagoge, Erziehungs- und Familienberater, Kinder- und Jugendpsychotherapeut, Fundraising Manager und Leiter der Beratungsstelle EEFL. Bereits als Jugendlicher begann er sein nun bereits über 50-jähriges soziales Engagement als parteiloser Bürger in verschiedenen Ehrenämtern in der Region als Helfer, Förderer oder Funktionär, als Gründer unterschiedlicher Initiativen und Hilfsmaßnahmen im Gebiet des Main-Taunus-Kreises.

Prävention Gröhl

Jeder Mensch hat mehrere Seiten. Gröhl hat mindestens vier - als Erzieher, Förderer, Sammler und Spaßmacher. Er will auf keine verzichten und füllt alle mit Überzeugung, Spaß und Hingabe aus.

"Ich sehe mich als Entscheidungsfindungsentwicklungsberater oder einfacher als Beziehungsarchitekt", sagt Gröhl von sich selbst. Er habe seine Beratungsarbeit und seine sozialen Engagements stets sehr gerne gemacht und als bereichernd und vielfältig empfunden. In nun über 40 Jahren habe er etwa 15 000 Familien beraten.

Zum Ende war es oft schon die dritte Generation, die zu ihm kam. Da kenne man seine Region schon sehr gut. Viele holten sich bei ihm als Kinder Hilfe, kamen dann als Eltern und schließlich gar als Großeltern zu ihm. Und wenn ihm heute von vielen Seiten voller Wertschätzung ein fröhliches "Hallo" entgegenschalle, könne nicht alles falsch gewesen sein, was er in der Vergangenheit gemacht habe.

"Zu mir kamen Menschen von quasi 0 bis 88 Jahren", so Gröhl, "alle mit lebenskritischen Ereignissen die keiner haben will, aber jeder hat." Wenn man wissen wolle, wie eine Gesellschaft tickt, müsse man zunächst schauen, wie sie mit ihren Alten umgehe.

Dann könne man auch sehen, wie die Jungen werden würden. "Wir bilden heute Kinder und Jugendliche vor allem in Problembewusstsein aus, führen sie aber nicht zur Problemlösungsfähigkeit", bemerkt Gröhl kritisch. Die Lernerfahrung sei verkürzt, es gehe nur noch um schnelle Befriedigung. Früher seien vier Kinder von einem Erwachsenen beaufsichtigt worden, heute sei es umgekehrt.

"Vogel muss fliegen, Fisch muss schwimmen, Mensch muss laufen", sagte einmal der Sportler Emil Zatopek. "Und ein Kind muss groß werden", ergänzt Gröhl diesen Spruch. Seitdem bei so genannten Zappelkindern das ADHS-Syndrom diagnostiziert würde, hätte sich die Verschreibung von Beruhigungsmitteln vertausendfacht. "Und das soll nichts mit Geschäfte machen zu tun haben?", hinterfragt er kritisch. Und nennt diese jungen Menschenkinder liebevoll "verhaltensoriginelle Kinder".

Solch eine Beratungstätigkeit ist oft nicht leicht zu ertragen, vor allem wenn es unter anderem um häusliche und sexuelle Gewalt geht. Da braucht man einen Gegenpol. Für Gröhl waren das immer seine mechanischen, selbst spielenden Musikinstrumente, seine Karussell-Orgel von 1888, sein Leierkasten und seine Auftritte mit den Hofheimer Moritatensängern. Oder als musikalischer Botschafter Hofheims in halb Europa und im Funk und Fernsehen.

Auch der Erhalt und die Restaurierung seines historischen Fachwerkanwesens in Marxheim war für ihn eine Herausforderung, der er sich verpflichtet fühlte. So konnte er in fünf Jahren Eigenleistung ein Kulturdenkmal für die Allgemeinheit erhalten.

Nun hat sich Gerd Gröhl in den verdienten Ruhestand verabschiedet, ohne großes Tamtam, so wie er auch stets gearbeitet und gewirkt hat. Im Hintergrund, leise, sich nie in den Vordergrund spielend. Den Marxheimer Zweiseithof hat er den Kindern übergeben, lebt jetzt mit seiner Frau in einer kleineren Wohnung in Kriftel und möchte mit seiner Gattin noch viele Wanderungen unternehmen.

Zum Abschluss gibt er Allen mit auf den Weg: "Zukunft braucht Herkunft - und auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Tolles bauen."